Harzer Hexenstieg- das Singletrailparadies

Eigentlich ist der Harzer-Hexen-Stieg ein Wanderweg. Und was für einer!

Er gehört zu Deutschlands schönsten Wanderwegen und zieht sich auf rund einhundert Kilometern Länge von Osterode nach Thale.

Grund genug, den Wanderweg mal unter Augenschein zu nehmen. Von netten Leuten aus dem IBC-Forum war zu erfahren, dass er recht gut mit Stollenreifen zu bewältigen ist. Und so kam es, dass ich mich am Montag einfach mal mit viel Zeit, Futter und Getränken auf´s Rad gesetzt habe und ihn unter Augenschein genommen habe.

Zum Teil ist der Weg für Radfahrer gesperrt. Das ergibt sich sicherlich durch die Initiatoren, dem Harzklub, die wohl grundsätzlich Probleme mit Radfahrern haben. Anders kann ich es mir nicht erklären. Bestätigt fühle ich mich aber auch durch die z.T. unsinnige Wegführung der Mountainbike-Arena-Harz, die unter anderem auch auf deren Mist gewachsen ist. Besondere Rücksicht auf Fußvolk ist ja aber selbstverständlich.

Whatever.

Los ging´s also in Goslar. Jepp- eigentlich hätte ich in Osterorde starten müssen. Aber ich wollte mir die Bahnfahrt sparen und den klassischen Weg nach Clausthal nehmen. Über die Schalke. Quasi den ersten Teil der Hausrunde, um ein wenig in Schwung zu kommen (was bei fünfzig Minuten bergauf strampeln irgendwie immer schwer fällt).

Von der Schalke aus ist´s noch ein ganzes Stückchen bis zum Brocken:

Aber das Wetter war ja super- also los!

Ich möchte an dieser Stelle bemerken, dass die Anzahl und Qualität der Bilder immer weiter abnimmt. Auf dem ersten Wegweiser stand Thale – 78,9km- und das hat mich ziemlich aufgeschreckt…

Nachdem ich erstmal an Clausthal-Zellerfeld vorbei geradelt bin, kam ich dann an den üblichen, zum entspannen einladenen, Teichen vorbei und endlich auch, auf Höhe des Polsterberger Hubhauses, auf den Hexenstieg.

Eigentlich geht´s im niedersächsischen Teil zum Großteil an alten Gräben vorbei, die früher die Energie für den Bergbau geliefert haben. Aber zum Teil sind die Trails auch ein wenig gröber.

Der Hexenstieg ist nach Themen gegliedert, zu denen z.B. alte Handelswege, das Oberharzer Wasserregal, Nationalparks und die Bodetal-Schlucht gehören.

Von Wanderern ist mal wieder nichts zu sehen. Wahrscheinlich haben die sich am vorangegangenen Wochenende völlig verausgabt. Oder es war ihnen zu warm. Keine Ahnung.

Der Hexenstieg zieht sich immer an den o.g. Gräben entlang und ist daher völlig streß- und problemfrei zu fahren. Der Genuß kommt hier sicherlich nicht zu kurz, denn üble Anstiege o.ä. gibt´s nur selten. Aber die Steile Wand hat´s schon in sich:

Desto weiter ich in das Einzugsgebet des Brockens kam, desto häufiger traf ich auf Wanderer. Aber, wie sollte es auch anders sein, gab es keinen Streß- nur ein paar verwunderte Blicke.

Am Torfhaus habe ich dann erstmal eine Pause gemacht, denn der Weg zum Brocken war mir in keiner guter Erinnerung. Sicherlich hätte ich auch die Brocken-Chaussee hochfahren können, aber das hätte einen weiteren Umweg bedeutet. Und aus potentiellem Zeit- und Energiemangel hatte ich daran kein großes Interesse. Netterweise war auch auf dem Goetheweg kaum ein Mensch anzutreffen. Eigentlich hatte ich mich auf eine entspannende Schiebe-Passage gefreut, aber die genialen Ideengeber der Nationalparkverwaltung haben beschlossen, den Weg winterwandertauglich zu machen. Und so wird aus dem einstigen Pfad ein drei Meter breiter “Weg”, den man völlig problemlos hochfahren kann. Das Gute an dieser Aktion ist sicherlich, dass sich so nun Radfahrer und Wanderer prima aus dem Weg gehen können. Trotzdem ist radfahren hier verboten.

Um kurz vor zwei war ich dann endlich auf dem Brocken:

Was für ein Ausblick (Blick in den Westen)!

Wie immer war da oben Volksfestatmosphäre, die v.a. durch fusslahmes Fußvolk entsteht, die sich mit der Brockenbahn hochkarren lassen und dort erstmal auf den durchlebten Streß Bierchen schlürfen müssen. Meinereiner hatte eine unstillbare Gier auf Fanta- die war aber aus. Nun. Egal. Dann wurde es eine Cola und ich konnte mich schneller wieder auf den Weg machen- ab jetzt immer weiter in den Osten!

Und im Ostteil des Harzes ist es erst wirklich schön!

Die Menschen werden wieder weniger, die Wege schmaler und die Wälder grüner. Klingt komisch, ja, aber es wirkt ist nunmal so. Hier nimmt der Nadelwald immer weiter ab und wird zu einem herrlich hellen Blätterwald.

Nach Drei-Annen-Hohne kommt der schönste Teil des Hexensteiges. Minutenlanges Surfen auf Trails, die ich sonst nur aus Filmen wie “The Collective” oder “Roam” kannte.

Davon bin ich immernoch völlig begeistert. Vielleicht hätte ich mich ein wenig mehr beeilen sollen, denn das Problem an der Aktion war ja, dass ich mit der Bahn wieder zurück nach Goslar wollte.

Dummerweise ging´s im Osten bei schleichender Kraft und Lust dann aber vermehrt bergauf. Auch auf unheimlich schönen, schmalen, trockenen… ach- Trails eben, aber bergauf.

Das Bild hier ist, glaube ich, in der Nähe von Neuwerk entstanden. Der Brocken von der anderen Seite gesehen (auch ein Pan-O-rama-Foto!):

Die Orte wie Rübeland, Königshütte, Altenbrak und Konsorten sind allemal einen Besuch wert. Aber man sollte sich tunlichst nicht auf die Existenz von Kiosken oder sonstigen Einkaufsmöglichkeiten verlassen. Denn die gibt´s dort nicht immer. Und bei nicht mehr existentem Fanta-Vorrat und mächtigem Durst wurde die Veranstaltung immer unlustiger. Eigentlich wollte ich nur endlich in Thale ankommen.

Aber vorher mußte ich auf Wegen dieser Art mein Glück versuchen:

Und nach neun Stunden und ein paar Minuten war es dann irgendwann soweit. Das letzte Teilstück im Bodetal war nochmal eine Herausforderung, der ich mich eigentlich nicht stellen wollte aber mußte, um dann endlich das Bahn-Ticket zurück nach Hause kaufen zu können um an der Bahnhofskneipe erstmal literweise Kaltgetränke in mich reinzukippen.

WOW!

Der Hexenstieg hat einen geschätzten Trail-Anteil von 60%. Weitere 30% sind geschottert- manchmal grob, manchmal fein. Der Rest besteht aus kurzen Stücken an/ auf asphaltierten Straßen.

Er bietet meiner bescheidenen Meinung nach den größten und schönsten Spaßfaktor von allen Wegen im Harz, die ich bislang kenne. Man muss ihn sicherlich nicht an einem Tag abfahren. Bei zwei Tagen kann man bestimmt mehr genießen; Teilstücke mehrmals fahren oder einfach mal baden gehen oder gemütlich einkehren (Achtung! Montags und Dienstags haben die meisten Grabenhäuser & Co Ruhetage).

Ich habe mir heute mal den Spaß gemacht, und den ungefähren Verlauf des Weges bei Google.Earth nachgezeichnet. Dazu gibt´s dann auch gleich noch das Streckenprofil:

Kilometer: 102,99

Höhenmeter: 2824

Google.Earth-Datei mit Details-> klick mich!

30 Kommentare

  1. Bert Spanl

    Sehr schöner und an Tatsachen orientierter Bericht!
    Genauso hab’ ich den Hexenstieg empfunden, als ich ihn im letzten Jahr, von Osterode aus, gefahren bin.
    In diesem Jahr werden wir ihn an zwei Tagen in beide Richtungen bewältigen. Dein Bericht lässt die Vorfreude in mir erwachen! Gehen wir es an!!

    Good Luck

    Bert

  2. Genau- viel Glück und vor allem Spaß! Irgendwann würde ich den auch gerne noch an zwei Tagen fahren. So kann man mehr genießen und hier und da ein wenig entspannen. Da gibt´s ja echt Ecken, die so wunderschön sind… unglaublich!

  3. Manuel

    Der Bericht ist nett und wekt mein Interesse am Harz wieder. Das letzte Mal war ich 2005 dort. Was mir aber besonders auffällt, sind die Bilder! Womit hast Du die denn gemacht? LG Manuel

  4. Die Bilder sind mit meiner Pentax K10D entstanden. Irgendwie habe ich auch das ganze Geraffel noch dabei gehabt… stimmt! Hat sich aber, wie üblich, gelohnt… Danke für Dein Feedback! Solltest Du mal im Harz sein und radeln wollen- meld dich einfach!

  5. Manuel

    Dachte ich mir doch, daß da nicht so ein Taschenapparat mit unterwegs war. Vielleicht komme ich im Sommer (August) mal in den Harz. Wenn, dann melde ich mich auf jeden Fall!

  6. Das kannst Du gerne machen. Alle Daten findest Du im Kontaktformular…

  7. Jens Mische

    Braucht man so ein Bike wie Deins oder reicht ein Hardtail dafür aus? Ich würde so eine Tour auch gern fahren- aber ich glaube, dass ich nicht fit genug bin. Außerdem habe ich kein Fully und keinen, der mitfahren will…

  8. Ich fand das mit einem Fully sehr angenehm, weil die ganzen schmalen Wege so traumhaft zu fahren waren. Aber ein Hardtail reicht zur not sicherlich auch. Aber dann sinkt der Spaßfaktor.

    Fit genug? Quatsch- war ich nach meinem Gefühl auch nicht. Aber mit ein paar Pausen hat das gut geklappt!

  9. Sasch

    Schöner Bericht, macht Lust auf mehr.
    Bis bald beim Radeln.
    Sasch

  10. Danke und…

    genau- ich freu mich schon! :)

  11. mAniac

    Respekt! Das sieht ja nach einem ordentlichen Ritt aus. Wie hoch würdest du den Singletrailanteil einschätzen?

  12. mAniac

    Und sag mal: gibt es gute Übernachtungsmöglichkeiten unterwegs- kennst du dich da aus? Sind da viele Tragepasagen dabei oder kann man alles fahren? Meld dich bitte mal. Viele Grüsse!

  13. mAniac

    UND… RIDE ON! :)

  14. Artur- ein Post hätte völlig gereicht, oder?! ;) Übernachtungsmöglichkeiten kenne ich in Schierke. Da haben wir mal bei der Harzquerfeldeinrundfahrt übernachtet, was sehr nett war! Aber wie der Laden heißt… Keine Ahnung mehr. Aber das kriege ich raus. Ich musste an der Steilen Wand schieben und am Ende, im Bodetal. Meine Kondition hat mich irgendwann verlassen…

  15. Hast Du auch GPS-Tracks, die Du mir vielleicht zur Verfügung stellen könntest? VG

  16. Nein, ich habe (leider) kein GPS. Aber eine Karte vom Hexenstieg. Die hat vällig ausgereicht. An jeder Kreuzung sind sowieso Hinweise, in welcher Richtung es weitergeht!

  17. So! Bei amazon.de musst Du 6,80€ investieren und die Karte gehört Dir…

  18. niklas

    Hi großer,
    echt ein wunderschöner Bericht mit tollen Bildern und dazu noch geschrieben als ob die Geschichte gerade passiert. Ich find´s total gut und habe Respekt vor so einer Tour. Es sieht so aus als ob sich jeder Meter gelohnt hat und das ein unvergessliches Erlebnis ist. Ich grüße Dich/Euch ganz doll.

    Lass mal wieder telefonieren oder Skypen, habe bald mehr Zeit.

    Liebe Grüße Niklas

  19. [reineditiert] Danke für Deinen Kommentar! Es hat sich definitiv jeder Meter gelohnt! Mal schauen, ob man die Tour auf ähnliche Weise nochmal wiederholen kann… Skypen können wir gerne mal wieder. Vorher aber telefonieren.

  20. Karten habe ich. Aber auch ien GPS… Nur brauche ich dafür Daten, verdammt! Hat denn keiner welche?

  21. Wenn man google bemüht, erhält man ein paar Ergebnisse. Da wär dann z.B. auch dieses dabei. Oder jenes. Okay?

  22. X

    Wie lange dauert es denn ungefähr, wenn man die Strecke wandert und wo sind die schönsten Stellen?

  23. Die schönsten Abschnitte sind mbEn im Ostharz. Sobald man den Brocken runtergeht, schaut die Gegend gleich viel attraktiver aus.

    zum Thema Wanderdauer kann ich leider nicht viel schreiben. Aber im Netz solltest Du einige Antworten finden können.

  24. Niklas

    Tach Arne,
    ich wollte mal fragen wie das mit der Beschilderung auf dem Weg aussieht. Würde da ein verirrtes Stadtkind mit ein paar Harzerfahrungen auch lang finden oder wäre eine Karte schon besser und auch angebracht???

  25. Moin! Die Beschilderung ist okay- an allen Weggabelungen sind kleine Hinweisschilder zu finden (wenn man nur lange genug sucht). Bei Bedarf kann ich dir/ euch die Karte gerne ausleihen…

  26. Vielleicht sollte ich hier mal einen Touraufruf für den Sommer veröffentlichen! Hat wer Lust, eine Runde Hexenstieg zu fahren?!? Ende Juli/ Anfang August?

  27. Nils

    Ich würde auch gerne mitkommen. Wie lange wollt ihr denn fahren? Soll die ganze Tour an einem WE durchgezogen werden?

  28. Patrick

    Hi,

    Dein Bericht ist wirklich reizend.
    Ich selbst komme auch aus Goslar und werde dann deine Strecke
    mit einem Freund befahren.
    Geplant ist es in den Herbstferien.
    Da du ja selbst sagst, es ist an einem Tag zu schaffen, mache ich mir da keine großen Sorgen.
    Ich bin fast jedes Wochenende auf dem Brocken.
    In den Ferien zwei Tage hintereinander auf verschiedenen Strecken.
    Danke für den tollen Bericht und die tollen Fotos :D

    Grüße, Patrick aus Jürgenohl (Trebnitzer Platz) ;)

  29. Danke für Dein Feedback! Ihr solltet tunlichst darauf achten, nicht an Wochenenden auf die Route zu fahren, denn ansonsten tummelt sich da gerne das Fussvolk. Und immer schön nett und rücksichtsvoll bleiben, denn eigentlich ist der Hexenstieg ja ein Wanderweg. Ich wünsche Euch viel Spaß!

  30. Ole

    Hi! Toller Bericht. Kannst du mir auch den GPS-Track zuschicken? Die google-Datei hilft mir nicht weiter…

    Vielen Dank!